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Auf dem Weg durchs Leben

das Muffensausen im Gepäck

Groupie? Nein, Danke!

Wenn eins das Wort „Groupie“ bei Google in der Suchmaske eingibt, kommt als erstes die Definition „weiblicher Fan“

Damit scheinen viele Menschen konform zu gehen, denn sehr sehr oft werden als weiblich wahrgenommene Menschen, die mehr als nur ein Konzert oder gar ganze Touren von Bands besuchen, als Groupies betitelt. Doch kaum jemand scheint noch zu wissen, dass der Begriff eigentlich bedeutet, dass eins sexuellen Kontakt zu Bandmitgliedern und Musikern im allegemeinen sucht. Es passiert immer wieder, dass ich Menschen, die das Wort verwenden darauf anpreche, wo es herkommt und diese dann völlig entsetzt reagieren. Zum Teil sind Menschen (meist Cis-Männer) aber in dieser Hinsicht komplett unreflektiert. Yeah! NICHT.

Darum möchte ich einfach mal ein paar Dinge klarstellen.

  1. Groupie bedeutet NICHT „weiblicher Fan“ nur weil die meisten Groupies weiblich waren/sind.
  2. Groupies sind Menschen mit der Absicht sexuellen Kontakt mit Bandmenschen zu haben. Surprise: Viele „weibliche Fans“ wollen das gar nicht!
  3. Warum denkt die Gesellschaft, dass wir einen extra Begriff für „weibliche Fans“ bräuchten? Als gäbe es geschlechtspezifische Unterschiede!
  4. Auch weibliche Menschen & Menschen die sich auf dem Nichtbinären-Spektrum (also abseits von männlich und weiblich) befinden können musikbeistert sein ohne Hintergedanken zu haben.
  5. Ich finde es gerade schrecklich, wenn weibliche Menschen diese ganzen Klischees reproduzieren ohne zu reflektieren. Hilft niemandem. Weder ihnen noch anderen.
  6. Wird Menschen, die als Frauen wahrgenommen werden generell unterstellt, sie hätten nur „das Eine“ im Sinn. Spoiler: Haben sie nicht. Hört doch bitte endlich auf zu denken, dass alle Menschen immer und überall an Sex in all seinen Facetten interessiert wären.
  7. UND SELBST WENN. Wen außer die involvierten Menschen geht das bitte etwas an?! N I E M A N D E N. None of your fucking buiseness.
  8. Lasst Menschen doch einfach unabhängig ihres Geschlechts Konzerte und Musik genießen, ohne sie in Schubladen zu stecken. Wär das ne Idee?
  9. Jeder Mensch hat es verdient ohne beurteilt zu werden ein Konzert zu besuchen, eine Tour mitzufahren oder in der ersten Reihe zu stehen.
  10. Hört doch bitte einfach auf die Lebensweisen anderer Menschen zu be- oder Verurteilen. Lasst Menschen glücklich sein. Auf IHRE Art. Das tut nämlich niemandem weh. Eure Sprüche hingegen schon. Überlegt doch einfach mal wie es EUCH gehen würde ständig sowas zu hören.
  11. Wenn wir jemanden als schön bezeichnen, heißt das nicht, dass wir mit der Person schlafen wollen. (Surprise wir finden nämlich viele Menschen schön. Das kann sich sowohl auf das Äußere eines Menschen beziehen, als auch auf den Charakter.) Würde ich mit jedem Menschen schlafen wollen, den ich schön finde, hätte ich echt ne Menge zu tun!
  12. Wenn wir eine Band lieben, dann weil uns die Musik Kraft gibt & nicht weil wir die Menschen als sexuell anziehend empfinden.
  13. Unser (Sex)Leben geht euch nen feuchten Furz an.

XOXO

Ein musikliebhabender Mensch

Ps: Ähnliches zu dem Thema könnt u.a. ihr hier nachlesen. Unter dem Hashtag #iamnotagroupie könnt ihr auch auf Twitter Erfahrungen von (queeren) Konzertbesuchenden nachlesen.

Angstmonster

Warum glaube ich den Menschen, die negatives über mich sagen / denken mehr, als den Menschen, die mich lieben? Warum empfinde ich meine Schwächen intensiver und zweifle an meinen Stärken? Fragen, auf die ich keine wirklichen Antworten habe. Fragen, auf die ich aber eine Antwort brauche, damit ich meinen Dämon entgültig loswerden kann. „Ja, das ist halt so“ Ist einfach keine zufriedenstellende Antwort! Wovor genau habe ich denn überhaupt Angst? Ich weiß zwar, dass ein Großteil der Angst unnötig ist. Ich kann logisch denken und sagen „Hey, das ist eine Überreaktion.“ Aber es ändert nichts. Und selbst wenn ich mich frage: „Was wäre denn das Schlimmste was passieren könnte?“ und alle Möglichkeiten durchgehe, die Ungewissheit ist, was mir Angst macht. Situationen, die ich nicht durchschauen kann. Und egal wie logisch ich das in meinem Kopf erörtern kann, die körperliche Reaktion bleibt. Der Klos im Hals, der Stein im Magen und die Herzrhytmusstörung. Es passiert trotzem. Obwohl ich WEISS, dass es unnötig ist. Obwohl ich WEISS, es ist eine Überreaktion.
Das Gute? Ich ziehe Dinge trotzdem durch. Ich hab Angst, aber ich kämpfe dagegen an und wer weiß, vielleicht weiß mein Hirn auch irgendwann, dass ich ein toller Mensch mit Qualitäten bin. Ein Mensch mit großem Herzen. Ein Mensch, der so viel erreicht hat. Ein Mensch, der für andere da ist. Ein Mensch, der immer noch am Leben ist und gelernt hat es auch wieder zu ERLEBEN.
Ich hoffe eines Tages zu verstehen, was meine Freunde in mir sehen. Ihnen auch zu glauben, wenn sie liebe Dinge über mich sagen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber irgendwann werde ich den Dämon hochkant rauswerfen und dann bin ich wieder nur ICH.
Ohne Muffensausen.

Weniger Schrank, mehr Leben

(Artwork von @kraehenherz )

Oder: Wie eine Postkarte für das erste Coming Out vor meiner Familie sorgte.

Ich weiß es schon eine ganze Zeit, meine Freunde seit einer Weile und seit gestern weiß es auch mein Vater. Ich bin nicht-binär oder auch non-binary.

Das bedeutet, dass ich mich weder als Frau noch als Mann identifiziere. Genausowenig identifiziere ich mich mit den (meiner Meinung nach laaaaaaaaaaaange überholten) Rollenbildern der Gesellschaft. Gar nicht so einfach, wenn eins (wird hier an Stelle von „man“ benutzt) einen Körper hat, an dem das Umfeld eindeutig ein Geschlecht abzulesen meint. Uff.
Ein Outing ist immer schwer und hat eins erst einmal angefangen, sich zu outen (sei es bezüglich der Sexualität oder Geschlechtsidentität), hört eins damit auch so schnell nicht wieder auf. Denn mit einem Outing ist es meist nicht getan.

Dieses mal habe ich es aber bewusst so gewählt. Ich habe an meinen Freunden „üben“ können. Sowohl über Twitter, Telegram, Whatsapp, aber auch von Angesicht zu Angesicht.

Meine Familie hat davon bisher keine Ahnung. Es ist kein Geheimnis, dass ich das mir zugewiesene Geschlecht „anders“ auslebe, als die meisten Menschen meiner Familie, aber ich habe es bisher nie so auf den Punkt gebracht. Insofern hatte ich ganz schön Muffensausen (HA! Da ist das Wort wieder!!!), mich nun auch meiner Familie bezüglich meiner Identität zu offenbaren.

Die Entscheidung es zu tun fällte ich ziemlich spontan, nachdem ich gestern eine Postkarte von meinem Vater erhielt, auf der im Adressfeld nicht nur Name und Anschrift standen, sondern auch ein „Frau“. Ich merkte wie sehr mir dieses Wort Unbehagen bereitete. Wie sonst in meinem alltäglichen Leben eben auch. Meine Stimmung war ruiniert. Aber woher sollte mein Papa denn wissen, dass dieses Wort falsch ist, wenn ich es ihm nie explizit gesagt habe? Wir waren für den gleichen Abend zum Essen verabredet. Je näher der Abend also rückte desto klarer wurde mir, dass ich dieses Thema ansprechen musste.

Für mich und mein Seelenheil. Da meine Mama nicht zuhause war, fiel mir die Entscheidung leichter, es angehen zu wollen. Es ist einfacher sich erst einmal den Fragen einer Person zu stellen, als dem Fragenhageln beider Elternteile. Ich legte mir eine Ausgangsfrage zurecht um das Thema anzuschneiden und um die „Situation“ einschätzen zu können. „Papa was weißt du über Trans* Menschen?“ Somit konnte ich erst einmal schauen, was er denn so weiß. Dazu sei erwähnt ich bin in meiner Familie der einzige Mensch der weder hetero noch Cis ist. (Cis bedeutet, dass sich der Mensch mit dem bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht identifiziert). Papa wusste, dass es Menschen gibt, die sich eben nicht mit ihrem „biologischem Geschlecht“ identifizieren und dass es ein unglaublich bürokratischer Aufwand ist, eine Personenstandsänderung erwirken zu können. Er hat im Gespräch nicht unbedingt die korrekten Begriffe verwendet, aber das war okay. Woher sollte er sie auch kennen. Weiter sagte er, dass er sich nicht auskennt, weil er sich als Mann empfindet, dass er aber glaubt, dass es eine große Last sein kann, sich nicht im eigenen Körper wohl oder „richtig“ zu fühlen und zu merken, dass das gelesene Geschlecht nicht dem eigenen entspricht.

Als ich ihm dann sagte, dass ich mich eben nicht mit dem mir zugewiesenem Geschlecht identifiziere, fing ich an zu weinen. Weniger aus Angst, mehr aus Erleichterung es ausgesprochen zu haben. Er kam sofort zu mir und hat mich umarmt.

Ich erklärte ihm, dass es neben den binären Geschlechtern eben auch ein weiteres Spektrum gibt, welches sich über dem Oberbegriff „Nicht Binär“ zusammenfassen lässt. Ich selbst empfinde mich als „Neutrois“, sprich weder als männlich, noch als weiblich. Ich bin sozusagen geschlechtslos. Ich nannte ihm meine bevorzugten Pronomen. Sein nächster Satz hat mich wirklich berührt. „Möchte das [Vorname] einen Tee?“ fragte er mich und ich nickte & wischte mir die Tränen weg.

Er fragte mich dann, ob gewisse Erlebnisse meiner Vergangenheit der Auslöser für dieses Empfinden wären und ich sagte ihm, dass das nicht so ist. Ich hatte es kommen sehen, dass er auf dieses Thema zu sprechen kommen würde. Ich erklärte weiter, dass das Trans-Sein weder von einem Trauma ausgelöst, noch ein Trauma selbst ist. Uff, das war nicht so leicht, dabei entspannt zu bleiben. Aber er steckt ja nicht im Thema drin, also gab ich mein bestes.

Ich erklärte ihm, dass ich das erst „so spät“ für mich erkannt habe, weil mir in meiner Kindheit und während ich aufwuchs allgemein, nie gesagt wurde „Das gehört sich nicht für ein Mädchen“ oder „Sowas ist nur für Jungs“. Aber seit ich nun erwachsen bin und immer mehr von der Gesellschaft in eine gewisse Rolle gedrängt werde und mich diversen Fragen von unter anderem Kolleg*innen stellen muss, merke ich eben, dass ich nicht das bin, wofür ich gehalten werde.

Natürlich wollte er wissen, wie mein Freund zu der Sache steht und wenn ich ehrlich bin, ist N .der Mensch dem die Umstellung bisher am leichtesten fiel. Ich habe ihn N. meinen größten Unterstützer und das, obwohl er (laut eigener Aussage) weder ein Teil der LGBTQI* Community ist, hat er mich doch bisher am stärksten Unterstützt. Er hat es auch als erstes erfahren und da ich mich vorher viel mit dem Thema Trans* auseinandergesetzt hatte, war es für ihn auch keine große Überraschung.

Er fragte, ob ich vorhätte, meinen Körper anzupassen und dass ja weiß, welche Eigenschaften meines Körpers mich belasten. Ich antwortete, dass ich vorerst keine Operationen anstrebe mich aber um einen Binder kümmern will und erklärte natürlich auch, was es damit auf sich hat.

Papa hat sich wirklich bemüht und zugehört. Er hat nicht immer so sensibel reagiert, wie ichs mir vielleicht gewünscht habe, aber das ist okay. Er sagte, es ist eine Umstellung, aber dass er es versuchen wird. Ich möge ihm aber bitte schon im Voraus verzeihen, wenn das nicht immer sofort klappt.

„Muss ich das jetzt Mama beibringen?“, fragte er noch, aber nein. Ich habe Entschieden, dass ich das allein machen werde. Denn dieser Tag, dieses Gespräch hat mir zwar unglaublich viel Mut abverlangt, mir aber auch gezeigt, dass ich stark bin. Stark, wie ein Bär.

Was mich neben dem Verständnis meines Vater aber auch berührt hat, sind die Rückmeldungen, die ich von meinem Umfeld auf das Coming-Out bekam.

Auf Facebook teilte ich folgenden Status:

Heute ist also der Tag, an dem ich mit meinem Papa über meine Geschlechtsidentität gesprochen habe. Es war beängstigend, aber gut. Er hat sich bemüht, natürlich Fragen gestellt, und ich hatte vorher echt Muffensausen. Aber jetzt bin ich befreiter. Weniger Schrank, mehr Leben!

Hier ein paar Auszüge: der Reaktionen auf Twitter & Facebook

Did [Twittername] kick some ass today? Yes! Du bist einfach so ein starker Mensch und ich bin einfach immer so begeistert von dir“

Ich find das soooo toll und freue mich total für dich, dass du Rückhalt aus der Familie bekommst

Ich gratuliere dir. Das hat viel Mut gekostet. Du warst heute sehr, sehr mutig. Gut gemacht!!“

Ich liebe [Twittername] sehr und bin sooo stolz!!!“

Wow!!! du cooles!!! so mutig!!! now you deserve all the flausch!!! Glückwunsch!!!“

„KONFETTI! EINHÖRNER! REGENBÖGEN!“

#proudof[Vorname]Heute. Morgen. Immer.“

Hi [Twittername] ich kenne dich zwar nicht wirklich, aber ich bin sehr stolz über deine heutige Tat!“

Großartig! Ein mutiger Schritt, all the Flausch für dich!“

Einfach so großartig und so wichtig! Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass du mich einfach immer inspirierst und dass du so ein toller Teil der LGBTQA+ community bist und ich froh bin, dass ich dich kennen darf. Der Weg ist schwer, jedes mal aufs Neue, und so lang, aber je mehr wir zu uns selbst stehen, desto mehr können wir auch anderen helfen und unsere Welt und uns selber zu besseren und sicheren Orten machen. Ganz, ganz groß wie du so viel dafür machst.“

Hab’s grad gelesen Sternchen! Bin so stolz auf dich und dankbar, dich zu kennen.“

[…]Ich gratuliere Dir zu dieser starken Entscheidung! Weniger Schrank, mehr Leben“


Danke für den Rückhalt und all die Liebe, die ich (nicht nur) gestern erfahren habe. Wenn mehr Menschen so wären, wie ihr, dann wären wir viel weiter in Sachen Akzeptanz & Vielfalt.

2016 – Ein Rückblick

2016.

Was für ein Jahr. Uff. Nun ist es fast zu Ende und ich versuche vorm Plattenspieler sitzend meine Gedanken zu den vergangenen 12 Monaten zu sortieren. Um einen groben Überblick zu bekommen fange ich vielleicht mit dem Ausfüllen eines kleinen Fragebogens an:

Meine Top 5 Alben des Jahres:

  1. Turbostaat – Abalonia
  2. Karies – Es geht sich aus
  3. Bosse – Engtanz
  4. Frank Turner – Positive Songs For Negative People Accoustik (RSD Release)
  5. Billy Talent – Afraid of Hights

Meine Top 5 Konzerte des Jahres:

  1. Die Nerven @ Amadeus Oldenburg
  2. Gisbert zu Knyphausen @ Schlachthof Wiesbaden
  3. Turbostaat @ Faust Hannover
  4. Love A @ Café Glocksee Hannover
  5. Adam Angst @ Musik & Frieden

Meine Top 5 Songs des Jahres:

  1. Love A – Kanten
  2. Johnossi – Air Is Free
  3. Billy Talent – Louder Than The DJ
  4. Turbostaat – Der Wels
  5. Bosse – Dein Hurra

Meine Top 5 Momente des Jahres:

  1. Dass ich für meinen Blog einen meiner Lieblingsmusiker für meinen Blog interviewen durfte
  2. Dass ich nach Jahren wieder einmal den den Mut hatte in ein Schwimmbad zu gehen und da einen der besten Tage seit langem hatte. Danke an den Freund, der mir diesen besonderen Tag zum Geburtstag schenkte & an dessen Geburtsag wir das „Projekt“ verwirklicht haben
  3. Der Tag, an dem die U3 unterbrochen war & ich Melli kennenlernte, die neben Juli in kürzester Zeit zu einer der besten Freundinnen wurde, die ich je in Berlin hatte. ❤
  4. Das Adam Angst Konzert, einerseits, weil es ein tolles Konzert war & andererseits, weil ich Jenni endlich „in echt“ getroffen habe und die wunderbare Annika kennenlernte ❤
  5. Mein erster Besuch in Hamburg für Love A. Ich glaube in keiner Stadt war ich in diesem Jahr so oft, wie in der Hansestadt, an die ich mein Herz verloren habe.

Dank der Tatsache, dass ich dank einer ganz lieben Freundin mit dem so genannten Journaling angefangen habe, verschafft mir doch einen ganz guten Überblick über die letzten 12 Monate. Ist auch zauberhaft, um in Erinnerungen zu schwelgen.

2016 ist übrigens das erste Jahr, welches ich KOMPLETT ohne therapeutische Unterstützung erlebt habe. Fuck yeah! Ein Grund stolz zu sein und vielleicht noch einmal genauer auf meine Erlebnisse zu schauen:

Januar

Im Januar war ich auf 4 Konzerten. Den Auftakt machte der wunderbare Frank Turner im Huxley’s Berlin. Das Ticket hatte mir meine Familie zu Weihnachten geschenkt. Ich habe durch Glück am Tag des Konzerts selbst noch ein zweites Ticket aufgetrieben & Nadine damit überraschen können. Wir hatten einen fabelhaften Abend zusammen. Vorband waren Will Warley und Skinny Lister. In zweitere bin ich seit dem Tag hoffnungslos verliebt.

Am Freitag danach, den 22., hatte ich erst ein Vorstellungsgespräch für einen Job (den ich nicht bekam) und danach machte ich mich auf den Weg nach Hamburg, um dort zum ersten Mal LOVE A live zu sehen und Xeni zu treffen, die uns bei sich übernachten lies (tausend Dank dafür) und uns zum Konzert begleitete. Xeni ist in diesem Jahr zu einer für mich sehr wichtigen Person geworden und wir haben uns noch weitere Male gesehen, wofür ich dankbar bin. Abgeholt wurde ich am ZOB Hamburg von Nessie ( ❤ ) und Nils.

Nach einer kurzen Nacht ging es für mich und Nils nach Berlin zum zweiten Love A Konzert. Dieses Mal im Lido. Ich hatte ein Ticket über, was mir die Ehre verschaffte, dass ich die liebe Nicole kennenlernen durfte. Wir hatten einen weiteren tollen Abend mit einer grandiosen Band.

Am 29.01. erschien „Abalonia“ von Turbostaat mein absolutes Lieblingsalbum des Jahres. Ich war vom ersten Hören an sehr verliebt. Die Liebe wuchs mit jedem Hören an und ich denke, dass es eins der besten Turbostaatalben überhaupt ist. Aus „Promozwecken“ gab es im Januar ein paar kleine Konzerte, auf denen das neue Album live vorgetragen wurde. Ich war vorher ganz schön nervös, allein dorthin zu gehen, denn ich hatte nur noch ein Ticket bekommen. Die Wahrscheinlichkeit dort auf Vergangenheitsmenschen zu treffen war sehr hoch, but I did it anyways. Es war eine der besten Entscheigungen, denn es war ein Abend, den ich für nichts in der Welt eintauschen würde. Er hat mich stärker gemacht. Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, sich den eigenen Ängsten in den Weg zu stellen. Mara 1 – Muffensausen 0 !!!

Februar

Der Februar begann fast genau dort, wo der Januar endete: In Hamburg. Nachdem ich einen Tattoo-Termin absagen musste, entschied ich mich spontan dazu, das Wochenende vor meinem Geburtstag in Hamburg zu verbringen. Dort traf ich natürlich auch wieder auf Xeni, verbrachte aber vor allem Zeit mit Nessie & lernte ihre Eltern kennen. Wir waren lecker Essen und spazieren. Es fiel mir schwer, Sonntag Abend wieder heim zu fahren, denn ich hatte mich in die Stadt und ihre Menschen verliebt. Zu meinem Glück hatte der Bus letztendlich Verspätung und ich kam am 8.2. pünktlich um Mitternacht in meiner Wohnung an. Meine Eltern, die um die Ecke wohnen, hatten meine alte Geburtstagsgirlande an den Türrahmen befestigt. So war das „Herzlichen Glückwunsch“ das erste, was ich an meinem Geburtstag zu Gesicht bekam. Ein paar Geschenke hatten schon ihren Weg zu mir gefunden & so packte ich schon etwas aus, bekam per Twitter, Facebook & Co. schon zahlreiche Glückwünsche übermittelt. Ich hatte den Tag frei und traf mich später zum Essen mit einer ganz lieben Freundin (Stüffs) zum Mittag. Wir machten uns einen schönen Nachmittag zusammen. Abends gabs dann noch ein Treffen mit meinen Eltern, ein paar Geschenke und leider auch ein paar Tränen. Aber letztendlich war klar, dass das positive an dem Tag überwog. Auch wenn es im Februar keine Konzerte gab, war er voller schöner Erlebnisse mit Freunden. Außerdem veröffentlichten Bosse das Album „Engtanz“, welches ebenfalls eines der für mich wichtigsten des Jahres war. Weitere Highlights waren der Besuch von Adriana, mein Interview mit Thomas Götz, ein lustiger Abend mit Nadine, & ein Besuch in der Archenhold Sternwarte mit meiner Familie. ❤

März

Der März selbst war einer der härtesten Monate überhaupt, aber immer der Reihe nach: Ich hatte damals (und auch jetzt noch) keinen festen Job, sondern habe in Vertretung für jemanden gearbeitet, der sich durch ein Studium weiter qualifiziert hat. Zum Jahreswechsel gab es die Nachricht, dass diese Person zurückkehren wird, was für mich das Aus bedeutete. Ich stand quasi von jetzt von gleich vor dem Nichts, als klar war, dass ich ab März nicht mehr beschäftig wäre. Es wurde fieberhaft nach einer „Lösung“ für mich gesucht und ich mit meiner Erkrankung, litt sehr unter der Situation und der Ungewissheit. Ich wurde dazu angehalten, meinen restlichen Urlaub einzureichen. Wie ihr euch denken könnt, war dieser Urlaub alles andere als entspannt, da ich die ganze Zeit über nicht wusste, ob ich ab dem ersten April arbeitslos sein würde, obwohl sich mein Arbeitgeber bemühte eine Lösung für eine Weiterbeschäftigung für mich zu suchen. Ich war über den Geburtstag meines Freundes bei ihm in NRW. Die Vorfreude auf den Besuch bei Vivi und auf das geplante Turbostaat-Konzert in Freiburg hielt sich stark in Grenzen.
Nils und ich hatten ein paar wunderbare Programmpunkte für den ersten richtigen gemeinsamen Urlaub (u.a. Besuch bei Freunden und der Tag im Aqualand Köln) doch wirklich zur Ruhe kam ich über die ganze Zeit nicht.

Letztendlich fand sich eine Lösung und ich unterschrieb meinen neuen Arbeitsvertrag am Morgen vor Dienstantritt. Uff. Gerade noch einmal gut gegangen. Ich war von April an in 2 Bibliotheken parallel angestellt und auch wenn es anstrengend war, war ich sehr dankbar dafür.

Aber spulen wir doch nochmal kurz zurück zur Monatsmitte. Bosse spielten am 13.3. ein kleines Konzert im Astra. Meine Mama, ein großer Bosse Fan, hat am 14.12. Geburtstag, so lud ich sie als Geschenk zu diesem Konzert ein, und verriet ihr auch wirklich erst kurz vorher, wohin wir unterwegs waren. Es hat ihr sehr viel Spaß gemacht. Auf dem gleichen Konzert lernte ich übrigens auch Kimi kennen, mit der ich mittlerweile sehr gut befreundet bin.

Das Turbostaat-Konzert in Freiburg war natürlich auch trotz allen blöden Umständen ein kracher. Außerdem war ich im März 2 Mal im Kino und sah unter anderem Deadpool. Während meiner Zeit bei Nils war ich sogar 2 Mal beim Fußball, denn dieser Sport ist seine große Leidenschaft. Ich hatte in meinem Leben zuvor noch kein einziges Spiel gesehen. Aber es war wesentlich weniger „schlimm“, als erwartet und Nils hat es zudem sehr glücklich gemacht, mich dabei zu haben. Also irgendwo eine Win-Win Situation.

Das von AMK lang erwarte Album wurde veröffentlicht und fiel bei mir direkt durch. Ich fand es unfassbar uninteressant und langweilig.

April
Als ich am 1.4. mit Adriana auf dem Konzert war, waren wir beide der Meinung, dass wir bei Turbostaat, die am gleichen Abend im Huxley’s spielten, einen schöneren Abend gehabt hätten. Aber immerhin hatten wir der Band eine Chance gegeben. Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich werde auf keine weiteren AMK Konzerte gehen. Ursprünglich hatte ich geplant, am nächsten Tag nach Hamburg zu fahren, um dort Turbostaat zu sehen. Aber ich war von den Ereignissen im März noch immer so gestresst, dass ich mich dann dazu entschied, die Tickets weiterzugeben, zumal das Konzert restlos ausverkauft war. Ich hätte es sowieso nicht wirklich genießen können & brauchte etwas Zeit für mich.

Dafür folgte am nächsten Wochenende eines der besten Konzerte des Jahres. Adam Angst, die ich gerade erst für mich Entdeckt hatte, nachdem ich beim Plattenladenbesuch in Köln blind das Album kaufte, weil alle in meinem Umfeld von ihnen schwärmten, sind nur eine MEINER Neuentdeckungen des Jahres. Der Kauf dieser Platte war eine der besten Entscheidungen des Jahres. Nessie hatte mich zu Beginn des Jahres gefragt, ob ich mit ihr zum Konzert im Musik und Frieden gehen würde & ich hatte glücklicher Weise sofort zugesagt, ohne auch nur einen Song der Band zu kennen.

Ich traf Nicole wieder und lernte Jenni endlich mal „in echt“ kennen. Außerdem war Annika mit am start, die ich am Abend kennenlernen durfte. Ich bin sehr froh, sie heute eine Freundin nennen zu können, denn sie ist ein verdammt nochmal herzensguter Mensch. Das Konzert war wirklich sehr sehr toll. Ich habe ein Foto mit Herrn Schönfuß machen können & habe mir die „Charity“-7“ Single gekauft, deren Erlös der Stiftung Pro Asyl zugute kommt. Darauf zu finden sind die Songs „Spliter von Granaten“ und eine Live Aufnahme von „Professoren“.

Ich war auch wieder im Kino und habe zum zweiten Mal Deadpool & Freeheld mit Ellen Page geschaut. Ein Film, der mich wirklch zu Tränen gerührt hat. Absolute Empfehlung für Menschen, die sich mit LGBT+ Themen befassen (wollen).

Außerdem fand im April natürlich wieder der Record Store Day statt. Ich kaufte mir die Adam Angst Picture Disc und hatte leider direkt im Landen weder bei Madsen noch bei Frank Turner glück, eine der beliebten und limitierten Platten abzugreifen. Die Madsen Platte gab es glücklicher Weise dann im Merch-Shop der Band zu erwerben & für die Frank Turner Platte hatte ich ein super faires Angebot aus Spanien gefunden.

Das letzte April-Wochenende war eigentlich als „Igel-Wochenende“ geplant, sprich ein Wochenende zur Regeneration und Zeit für mich selbst, doch meine Schwester machte mir einen Strich durch die Rechnung. Sie tauchte, wie fast immer, ohne Vorwarnung in Berlin auf und wirbelte alle Pläne von mir und unserem Papa durcheinander. Ihr Versprechen, sich ganz bald wieder zu melden, habe ich ihr sowieso nicht abgenommen… Das Wochenende war schön, aber mehr auch nicht. & ich habe danach beschlossen, nichts mehr zu erwarten, denn so kann ich nicht enttäuscht werden. Dafür hab ich einfach keine Energie übrig.
Das letzte April Wochenende durfte ich in den Armen des Freundes verbringen. Eigentlich war geplant, dass wir zu Schreng Schreng & La La gehen, aber mein Körper machte mir, wahrscheinlich auch vor Erschöpfung, einen Strich durch die Rechnung. Dafür hatte Isa einen tollen Abend im Monarch <3.

Der April ist für mich jedes Jahr ein besonderer Monat. Am 29. Feiere ich meine „Wiedergeburt“ denn an diesem Tag im Jahr 2013 hatte ich meine erste, von der Krankenkasse bewilligte Sitzung bei meiner Therapeutin und begann meinen Kampf zurück ins Leben. Der Tag ist mir unheimlich wichtig. Wichtiger als mein Geburtstag…

Mai

Im Mai gab es 2 Highlights. Das erste war mein Pfingstwochenende, das ich mit meinen Eltern an der Ostsee verbracht habe und was mir half loszulassen und auszuspannen. Eines der besten Wochenenden des Jahres. Ich brach mit dem Fernbus von Berlin nach Prerow auf, wo meine Eltern mich einsammelten. Das Wetter lies echt zu Wünschen übrig, denn es regnete uns stürmte fast die ganze Zeit. Aber als wir unseren Strandspaziergang machten, lachte die Sonne und es wurde richtig schön warm. Kaum zurück am Wohnwagen, fing es wieder an zu Regnen. Wir konnten unser Eis gerade so ins Trockene retten.
Egal welches Wetter, der Anblick der Ostsee löst immer eine unfassbare Faszination und innere Ruhe aus, es ist, als würden meine Akkus neu aufgeladen.

Das zweite Higlight war mein anschließender Kurzurlaub mit und bei Nils, der von einem fabelhaften Love A Konzert in Hannover gekrönt wurde, bei dem Adriana mit von der Partie war und sich in die Band verliebte. Im Stau auf dem Weg nach Niedersachsen entstand das erste gemeinsame Foto von Nips und mir. Ich gucke es heute noch an und finde es immer wieder unfassbar schön ❤

Die Woche nach dem Urlaub war unfassbar anstrengend, ich hatte starke Stimmungsschwankungen und meine Dämonen waren unfassbar laut und stark. Aber ich habe die Woche letztendlich auch dank meiner Freunde unbeschadet überstanden.

Am Freitag bin ich direkt nach der Arbeit zu Kittie gefahren, weil ich nicht wusste wohin mit mir und so unfassbar aufgewühlt & erschöpft war. Wir haben zusammen gegessen und einfach ein wenig Zeit zusammen verbracht. Ich weiß nicht was passiert wäre, hätte sie mich nicht aufgegangen.

Sonntag bekam ich Besuch von Nadine, weil sie wusste, dass es mir nicht gut ging. So hatten wir am Sonntag einen tollen Tag zusammen. Wir haben viel gelacht und rumgeblödelt. Ich bin ihr auf Ewig dankbar dafür.

Außerdem gabs im Mai ein Tattoo anlässlich meines Therapiejubiläums. Das ist eine Art Ritual geworden. Jedes Jahr gibt es ein neues Tattoo, als Symbol für ein weiteres gelebtes und überlebtes Jahr. Dieses Jahr war es ein Songzitat: „Watch me overcome what I’m running from“ steht seit Mai auf meinem linken Unterarm.

Juni

Im Juni war Adriana wieder einmal zu Besuch, zeitgleich mit Nils. So haben sich die beiden, nachdem sie sich in Hannover bei Love A kennengelernt hatten, auch einmal wiedergesehen. Der Anlass war das PxP Festival, welches zu Gunsten von Geflüchteten statfand. Dort gab es den einzigen Beatsteaks-Auftritt in diesem Jahr. Er dauerte nur eine halbe Stunde, aber das war uns egal. Wir mussten dahin und es uns ansehen. Mit dabei waren auch die wunderbare Isa & Jessi. Es hätte so schön einfach sein können, hätte ich mir nicht morgens in der Badewanne die Zehen am linken Fuß geprellt. Aber nichts würde mich davon abhalten, meine Lieblingsband zu sehen. Der Weg zur Waldbühne fühlte sich an, wie eine Weltreise, da ich trotz IBU 800 sehr langsam unterwegs war. Von den Treppen zur vom Einlass zur Bühne will ich gar nicht erst reden. Meine Freunde hatten mir glücklicher Weise einen Platz in der ersten Reihe freigehalten. Der Tag war unfassbar anstrengend, aber all die Hindernisse und Anstrengungen haben sich sowas von gelohnt & waren sofort vergessen, als die Beatsteaks die Bühne betraten.

Am Wochenende danach hätte es eigentlich nach Dresden zu Love A gehen, aber ich habe mich leider Erkältet, weshalb ich das Konzert ausfallen lassen musste und somit auch die Möglichkeit Julia kennenzulernen & mit ihr auf das Konzert zu gehen. Damn. Aber die Gesundheit geht eben vor und auch ich habe kein unüberwindbares Immunsystem.

Nichts desto trotz habe ich im Juni viel Zeit mit Freunden und anderen tollen Menschen verbringen können, was diesen Monat zu einem unheimlich schönen gemacht hat.

Der Juni hielt auch ein besonderes Abenteuer für mich bereit. Recht spontan, also ca 3 Tage vorher, beschloss ich aufs Kosmonaut Festival zu fahren & mich dort mit Kim zu treffen. Ich war ganz schön nervös, weil ich vorher noch nie so viel Zeit mit Kimi verbracht hatte, aber es war ein fabelhaft verrücktes Wochenende. Wir hatten eine winzige Hütte in der gerade so 2 Betten Platz fanden. Das Wetter war am Freitag noch schön, während es am Samstag fast den ganzen Tag regnete und gewitterte und das Festivalgelände erst um 17 Uhr öffnete. Zu diesem Zeitpunkt spielte die Band, auf die ich mich am meisten gefreut hatte, schon. Die Nerven sind eine weitere Neuentdeckung des Jahres. Schuld daran hat eine Spotify Playlist. Ohne meinen Platten-Blog würde ich Spotify wahrscheinlich gar nicht nutzen, aber es ist eben ein praktisches Tool zum Erstellen von Playlists.
Kim und ich schauten uns also Feine Sahne Fischfilet, ein wenig von Die Nerven & Drangsal, sowie Turbostaat & Olli Schulz und schließlich auch den geheimen Headliner, die Fantastischen Vier, an.
Ich habe vom ersten Festivaltag nicht unbedingt viel mitbekommen, da mein Bus im Stau stand und ich später als erwartet am Stausee eintraf. Auf Grund der Spontanität der Reise musste ich Freitag Vormittag noch arbeiten. Aber trotz allem war auch das wieder eine der besten Entscheidungen und ein Sieg gegen die Angst. Ich freue mich schon sehr aufs nächste Jahr, denn ich werde wieder zum Kosmonaut fahren.

Danke vor allem an Anja für das Ticket und Kimi fürs Überzeugen.

Juli

Der Juli begann direkt mit einem Abenteuer. Mein Onkel bekam zu seinem 50. Geburtstag (im Dezember 2015) die Tunnelfahrt der BVG geschenkt. Für insgesamt 5 Personen. Ich durfte dabei sein und fand es unfassbar faszinierend. Erst war es ein wenig seltsam den Arbeitsbereich des Ex-Freundes, mit dem ich 5 Jahre zusammen war, zu „betreten“. Aber die Bedenken waren schnell vergessen und ich lauschte fasziniert den Erklärungen zu den verschiedensten Linien und Tunnelbauweisen. Die Stickige Luft machte nach kurzer Gewöhnungsphase nichts mehr aus.
Solltet ihr jemals die Chance haben, an einer dieser äußerst beliebten Fahrten teilzunehmen, kann ich euch nur raten, es zu tun. Ihr werdet es nicht bereuen, versprochen.

Am zweiten Juli-Wochenende machte ich mit Isa eine Radtour durchs sommerlich aufgeheizte Berlin. Wir fuhren erst an der Spree entlang bis zum Treptower Park und dann an der Arena vorbei weiter in Richtung Kreuzberg, vorbei am SO36 und der KoKa36, weiter am Kotti vorbei Richtung Neukölln und letztendlich aufs Tempelhofer Feld, wo wir ein paar Runden drehten und schließlich erschöpft aber glücklich ein kleines Picknick machten, bevor wir Abends wieder heim fuhren. Das war das erste Mal, dass ich mit meinem Fahrrad auf dem Tempelhofer Feld unterwegs war. Somit habe ich einen meiner Vorsätze für 2016 erfüllt. Es war ein unfassbar lustiger und schöner Tag. Danke, Isa, für so vieles!

Am 13. Juli war ich nach ich-weiß-nicht-wie-langer-Zeit wieder einmal in einem Musical, welches das Lieblingsmusical meiner lieben Freundin Stüffs ist. Die Stimmen, die Kulissen, die Kostüme, die Charaktere, alles war wunderbar mystisch und magisch. Ich habe es sehr genossen, mitgelitten und hatte einen fantastischen Abend im Theater des Westens. Danke fürs mitnehmen

Im Juli gab es dann auch noch ein neues Tattoo vom wunderbaren Phil, der mir mit einem seiner schönen Herzen mein erstes Tattoo coverte. Nicht weil ich das Tattoo bereut hätte, sondern weil die Ausführung einfach nicht zu mir passte. Es war keine Gurke im eigentlichen Sinne, sondern meine persönliche Gurke.

August

Im August hatte ich eine weitere Woche Urlaub, die ich bei meinem Freund in Siegen verbrachte. Wir genossen die gemeinsame Zeit, spielten Pokémon Go, kochten zusammen, machten kleinere Ausflüge. Im Gegensatz zu der gemeinsamen Woche im März schaffte ich es dieses Mal wirklich, mich zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen.

Am Freitag fuhren wir dann gemeinsam mit dem Auto nach Berlin, schließlich stand am Samstag unser erstes gemeinsames Festival, Angst macht keinen Lärm, statt. Es wurde von Pascow und Turbostaat ins Leben gerufen und fand im August zum dritten Mal statt. Dieses Jahr wurde das Festival, zudem die beiden Bands befreundete (Punkrockbands) Bands einluden, im Waschhaus Potsdam veranstaltet. 2015 fand es in Leipzig und im Jahr davor in Trier statt. Neben Turbostaat & Pascow traten auch Freiburg, Lygo, Duesenjaeger, Love A, Gurr & die Nerven auf. Über letztere freute ich mich besonders, nachdem der Auftritt in Chemnitz mehr oder weniger ins Wasser gefallen war.

Meinen Bericht über das Festival könnt ihr hier nachlesen, die Einzelheiten würden hier den Rahmen sprengen. Nur soviel: Es war trotz des Wetters (Ja, es gab eine Regenunterbrechung, direkt während des Soundchecks von Die Nerven…) war es ein toller Tag mit Nadine & Nils und der Tag, an dem die Nerven endgültig mein Herz erobert haben.

Außerdem habe ich im August den Ghostbusters Film gesehen, über den sich ja die Meinungen spalteten, aber mir persönlich hat er sehr gut gefallen. Dank Stüffs bin ich immer öfter im Kino, und habe einige tolle Filme gesehen, die ich sonst vielleicht verpasst hätte. Ich freue mich über jedes Treffen, aber besonders schön sind die Tage, an denen wir uns gemeinsam am Potsdamer Platz Filme angucken. Ich freue mich so, dass ich sie kenne und schätze sie wirklich sehr, als Freundin und verbündete. ❤

Im August fand ebenfalls die Lange Nacht der Museen statt, zu der ich mit Melli und Juli gemeinsam im Museum für Kommunikation war, nicht nur wegen des Auftritts von Stereo Total, aber auch. Es war ein viel zu warmer aber schöner Tag mit den beiden. Danke dafür ❤

September

Im September passierte auch etwas, von dem ich nicht dachte, dass es möglich wäre. Ich war FREIWILLIG im Olympiastadion zu einem Hertha-Spiel, aber nicht FÜR die Hertha.

Der Freund ist Schalke Fan und somit waren wir beide „auswärts“ für Schalke mit am Start. Leider hat die Hertha gewonnen, aber es war dennoch ein besonderes Erlebnis für mich, zumal ich wirklich Spaß dabei hatte. Seltsam, seltsam. Der stolze & glückliche Blick des Freundes, als er mit mir Hand in Hand ins Stadion lief, ist unbezahlbar und wird für immer in meinem Herzen bleiben. Er macht mich einfach zu einem besseren & offenerem Menschen.

Im gleichen Monat schaffte ich es auch, mich endlich wieder einmal mit Kimi & auch mit Nadine zu treffen. Außerdem war ich fast schon Stammgast am Abendbrotstisch von Melli & Juli, die mein Leben ebenfalls um einiges verschönert und verbessert habe, die mich lieben wie ich bin, mir zuhören, ernstnehmen und vor allem sehr viel mit mir lachen.

Oktober

Nachdem ich im Juli nach Jahren wieder einmal in einem Musical war, habe ich am 10. Oktober gemeinsam mit Nadine wieder einmal ein Theaterstück besucht. Es war mein erstes Mal in der Schaubühne. Angeschaut haben wir uns die Inszenierung des Romans „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion im Sommer 1969 durch einen manisch depressiven Teenager“. Mit dabei: Die Nerven. Ich habe mich vorher bemüht den Roman zu lesen, bin aber leider nicht besonders weit gekommen. Das Stück war voller Witz, aber leider streckenweise auch ganz schön undurchschaubar, wenn man es nicht geschafft hatte, das gesamte Buch zu lesen. Es war definitiv ein Erlebnis und ich habe wieder festgestellt, dass Theaterstücke sehr viel Freude bereiten können, vor allem, wenn eins die richtige Begleitung gefunden hat.

Ein weiteres Highlight im Oktober: Ich habe es endlich geschafft, den wunderbaren Gisbert zu Knyphausen Live zu erleben. Allerdings nicht in Berlin, sondern in Wiesbaden. Dafür habe ich meinen letzten freien Tag beansprucht und machte mich um kurz nach 6 Uhr auf den Weg nach Hessen. Dort angekommen, wurde ich vom Liebsten in die Arme genommen. Denn ich hatte natürlich 2 Tickets bestellt. Das Konzert war innerhalb weniger Stunden restlos ausverkauft. Wie es war, könnt ihr hier nachlesen. Ich hatte einen unglaublich schönen, wenn auch sehr emotionalen Abend und freue mich sehr auf Januar, wenn ich Gisbert wieder live erleben darf. Er hat mir mit seiner Musik durch die dunkelsten Stunden meines Lebens geholfen und ich bin fasziniert von seiner Sprache und seinen Melodien. Glücklicher Weise wird es 2017 ein neues Album von dem guten geben. Es wird aber auch langam mal Zeit.

Der Oktober bescherte mir einen weiteren Besuch von Adriana (

Melli und ich waren am 24.10. im roten Salon der Volksbühne um uns das Konzert von All diese Gewalt anzusehen. Max Rieger, auch Bekannt als Gitarrist & (einer der) Sänger von Die Nerven, war hier mit seinem Soloprojet & einer Band am Start. Ich habe es sehr genossen und konnte nicht anders, als mir hinterher die Platte mitzunehmen. Sie ist eine der meistgespielten diesen Jahres. Ein riesiger Dank an Melli fürs Begleiten <3.

November

Der November ist definitiv der Monat, in dem ich mein größtes Abenteuer 2016 erlebte, aber immer der Reihe nach.

Er begann mit einem unfassbar langen und schönen Konzert. Stüffs und ich waren nämlich im Huxley’s bei AMANDA FUCKING PALMER, die mir an diesem Abend definitiv mein Herz gestohlen hat. Gut okay, sie hat es nicht gestohlen, aber erobert. Ihre Solo-Show nur mit Flügel & Ukulele, ging sage und schreibe 3 Stunden und wir waren erst Mitternacht auf dem Weg nach hause. Ich habe einen unfassbaren Respekt vor Amanda und ihrer Musik. Zumal sie sich ausschließlich von ihren Fans über Patreon finanziert und somit von Majorlabels unabhängig genau DIE Musik machen kann, auf die SIE Lust hat. Sie ist eine unabhängige und verdammt starke Frau, die aber auch absolut keine Skrupel hat, sich von ihrer „schwachen“ bzw. verletzlichen Seite zu zeigen. Sie ist ganz sie selbst, egal ob vor, auf, oder hinter der Bühne. Ich bewundere sie sehr und freue mich, das Konzert für Stüffs und mich möglich gemacht zu haben. Es war fantastisch.

Nun zu meinem eigentlichen Abenteuer. Wie im August schon erwähnt, bin ich mittlerweile ein großer Fan von Die Nerven geworden und wollte sie unbedingt noch einmal live sehen. Auf ihrer eigenen Tour. So beschloss ich auf das Konzert in Oldenburg zu gehen, denn hey: es war ein Samstag. Das Problem: ich fand keine Begleitung. Die meisten, die das hier lesen, erst einmal Danke & Glückwunsch, dass ihr bis hier durgehalten habt, wissen, dass ich mit Angststörung und Borderline Persönlichkeitstörung lebe, weshalb der Entschluss diese Konzertreise allein durchzuziehen keine leichte war. Sie hat mich viel Mut und Kraft gekostet, zumal ich noch nie in Oldenburg war und auch niemanden dort kannte. Eine echte Herausforderung. Ich hatte mir für 2016 vorgenommen, mich meinen Ängsten entgegenzustellen, wann immer ich kann, mich nicht einschüchtern zu lassen, da ich sonst hinterher bereuen würde, es nicht versucht zu haben. Ich hatte im Vorfeld viele viele vieeeeeeeeele Zweifel, Panikattacken, Zweifel und noch mehr Zweifel. Doch als das Ticket dann endlich gekauft war, wusste ich: Es gibt kein Zurück mehr. & ich habe es verdammt nochmal durchgezogen. Trotz Angst, trotz Übelkeit, Trotz aller Zweifel. Ich habe meine Dämonen besiegt. Fuck Yeah, es hat sich so gelohnt!!

Hier findet ihr noch einmal den ausführlichen Text zu „Jetzt bloß nicht Die Nerven verlieren“.

Im November war ich außerdem mal wieder im Kino und das zur Abwechslung mal nicht mit Stüffs, sondern mit Melli. Wir haben uns trotz Mr. Cumberbatch Doctor Strange angeschaut und der Film war besser als erwartet. Außerdem war ich in Hamburg, wieder einmal, zu Besuch bei Xeni & Nessie und wurde dort auch wieder etwas verschönert. Whoop Whoop, im Februar geht’s weiter!

Dezember

Hui, schon sind wir im Dezember angekommen. Auch der letzte Monat des Jahres hielt einiges an Überraschungen für mich bereit.

Nachdem Nils und ich uns den gesamten November nicht einmal gesehen haben, was vor allem in einer Fernbeziehung eine verflucht lange Zeit ist, fuhr ich Nachts am 2. Dezember mit dem Zug nach Siegen. Ankunft: irgendwann gegen 2 Uhr morgens, aber wer wenig Zeit miteinander hat, nimmt verrückte Ankunftszeiten in Kauf, wenn es so möglich ist, die wenige Zeit so gut es eben geht, auszunutzen. Ich weiß nicht, wie lange wir in der Umarmung verharrten, aber es schneite, als ich aus dem Zug stieg & es war schweinekalt. In der Wohnung angekommen, schlief ich fast augenblicklich ein, während Nils selbst wach bleiben musst, da die Frühschicht rief. Uff. Aber er hielt durch & als er gegen 10 wieder zurück war begann das gemeinsame Wochenende, dass am Sonntag in Frankfurt Main von meinem und unserem ersten gemeinsamen Billy Talent Konzert gekrönt wurde. Die Organisation vor Ort war eine Katastrophe, die 2 Vorbands waren zu viel, aber sobald die Lieblingskanadier auf der Bühne standen, war alles vergeben und vergessen. Es gab nur noch eins: ESKALATION!

Dank Jenni hatten wir eine Unterkunft in der Nähe der Hessischen Landeshauptstadt und konnten ein wenig Schlaf finden, bevor es Montag morgen für uns wieder in getrennte Richtungen gen Heimat ging. Mein Bus sollte eigentlich um 8 Uhr losfahren, kam aber erst 8:45 und ich war mit noch mehr Verspätung wieder in Berlin. Doch zum Runterkommen war keine Zeit, denn kurze Zeit später wartete Kim auf mich. Mit ihrem Weihnachtsgeschenk. Es ging ein zweites Mal in diesem Jahr zu Bosse. Und es war fantastisch. Mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen, außer: Danke Kim. ❤

Seit einigen Wochen hielt sich das Gerücht, dass Die Nerven ein Geheimkonzert in Berlin spielen würden. Auslöser waren Andeutungen auf der Facebookseite der Band. Und tatsächlich, am 9.12. spielten die Stuttgarter im West Germany am Kotti ein kleines feines sehr verschwitztes Konzert. Abendkasse Only. Und es war ein verdammtes Fest. Danke Nadine, für die Begleitung. Du bist wundertoll.

Wir schwärmten am nächsten Tag allen Mitreisenden im Fernbus nach Hannover noch vor, wie toll der Abend war. Ob sie es nun hören wollten, oder nicht. Immerhin waren wir auf unserer letzten „Auswärtsfahrt“ in diesem Jahr. Auf dem Programm stand das Tour-Abschluss-Konzert von Turbostaat. Eines der besten Konzerte des Jahres, denn ich habe dort viele wunderbare Menschen getroffen. Unter anderem konnte ich Julia beweisen, dass ich ein echtes Lebewesen bin, habe Jenni (nein nicht Jenni aus FFM) umarmt, Adriana war dabei und und und. Trotz des verranzten Hotels, dem kurzzeitig verlorengeglaubtem Portemonaie und der Heimfahrt im gleichen Bus, wie ein Vergangenheitsmensch, war der Abend der perfekte Abschluss für das Konzertjahr. Ich umarme und küsse alle Weggefährten, Begleiter & Freunde. Ihr habt dieses Jahr trotz allen Höhen und vor allem Tiefen zu einem ganz besonderen gemacht. Ihr gebt mir Liebe, Hoffnung & Mut. Ich bin froh, dass es euch in meinem Leben gibt & ich hoffe ihr bleibt noch etwas.

Dieses Jahr hat mich stärker gemacht, ich habe viel über mich und meine Identität gelernt und tolle neue Musik für mich entdeckt. Ich blicke hoffnungsvoll ins neue Jahr, denn ich weiß, es wird ein verdammtes Fest.

& allen die bis hier durchgehalten haben (aktuell 5100 Worte & 11 Seiten in Word) möchte ich für ihre Aufmerksam danken. Ihr rockt.

Wir sehen uns 2017, wenn ihr wollt!

Ein Nachruf

2016… Was für ein Jahr.

Es gab viele Höhen, viele Tiefen und vor allem viele Abschiede. Viele Künstler sind von uns gegangen, aber darum soll es heute hier primär gar nicht gehen, sondern darum, dass ich von meinen Lieblingsschuhen Abschied nehmen musste. Versteht mich bitte nicht falsch, ich würde nicht einmal im Traum das „Ableben“ meines ersten Paar Docs mit dem Tod von Bowie, Prince & co auf eine Stufe stellen.

Worum es hier gehen soll, ist, was mir ein einzelnes Paar Schuhe bedeutet hat und wie sehr es mir am Herzen liegt. Eine Freundin sagte ganz treffend: „Beim ersten Paar tuts am meisten weh!“. Docs sind für mich (und meine Freunde) nicht einfach nur irgendein Paar Schuhe, nein Docs sind ein Lebensgefühl, Sicherheit & treue Begleiter.

Seit ich dieses Paar Schuhe fast jeden Tag an & um meine Füße hatte, habe ich sowohl mehr Stabilität im Leben, als auch viel weniger Rücken- & Kniebeschwerden gehabt.

Vor allem aber haben mich diese Schuhe fast 3 Jahre lang auf vielen Abenteuern begleitet. Ganz egal ob auf Konzerten, Festivals oder beim Camping. Sie waren da, sie haben mir das Leben erleichtert, Fehltritte abgefedert und mir stets ein gutes Gefühl gegeben. Vor Kurzem passierte es dann: Ein Riss durch die Sohle tat sich nach besagten 3 Jahren unvermeidbar auf. Die Sohle: Abgelatscht. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn sie mich fast 3 Jahre lang täglich überall hin begleitet haben. Nun geht eine Ära zu Ende.

Ich möchte einfach einmal DANKE sagen. Danke für das Gefühl von Sicherheit auf Schritt & Tritt, danke für die gemeinsamen Abenteuer & danke für 3 Jahre, in denen ihr die bequemsten und tollsten Schuhe meines Lebens wart. Ich bin sicher eure Nachfolger werden niemals an euch heranreichen. Ihr wart mein erstes Paar & ich verdanke euch viele Konzerte in der ersten Reihe, viele Arbeitstage, an denen ich auf den Beinen war & an denen ich abends zwar erschöpft, aber schmerzfrei ins Bett fiel.

Macht’s gut, ihr schwarzen, ausgelatschten Botten ❤

Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren!

Ich bin oft auf Konzerten und gebe sowohl dafür, als auch für Schallplatten einen Großteil meines Geldes aus. Warum? Weil es mir gut tut und mich (auch langfristig) glücklich macht. Meist erlebe ich bei diesen kleinen Abenteuern nicht nur tolle Menschen auf, sondern auch vor der Bühne. Konzerte sind meine Happy Places, ich fühle mich dort wohl, sicher und kann den ganzen Scheiß, der mich sonst so beschäftigt (& das ist nicht gerade wenig) einfach mal vergessen.

Meine Verbundenheit zur Musik hat über die Jahre viele Freundschaften entstehen lassen und in der Regel gehe ich in guter und herzlicher Begleitung auf Konzerte, Festivals usw.
Natürlich kommt es auch mal vor, dass ich in meiner Heimatstadt allein auf ein Konzert gehe, aber das passiert doch eher selten. Ich reise allerdings auch gern mal für Konzerte durch Deutschland, treffe dabei Freunde oder finde auch neue.

An diesem Wochenende war es mal wieder soweit. Ein neues Abenteuer stand vor der Tür. Das Besondere daran: Ich habe es allein angetreten, in einer Stadt, in die ich noch nie zuvor einen Fuß gesetzt hatte.

Die Menschen, die mich kennen, wissen dass es sich bei dem im Blogtitel erwähnten „Muffensausen“ um meine Angststörung handelt. Gepaart mit meiner Borderline Erkrankung kann dies auch nach abgeschlossener Therapie zu einer fiesen Mischung und vor allem Panikattacken führen. Und nun hatte ich den Plan ganz allein mehrere Stunden durch das Land zu fahren, nur um „Die Nerven“ live zu erleben. Uff, da hatte ich mir wirklich ganz schön was vorgenommen.

Zunächst versuchte ich natürlich ein paar meiner Freunde für das Vorhaben zu begeistern, denn wer geht schon gern alleine auf ein Konzert? Leider habe ich auch nach langem „Suchen“ niemanden gefunden, der sowohl Zeit, als auch Lust auf die Band hatte.

Aber ich? Ich wollte so unbedingt auf dieses Konzert, dass ich ernsthaft anfing zu überlegen, den Plan einfach durchzuziehen, ob nun mit oder ohne Begleitung.
Je intensiver ich mich mit der Band beschäftigte, die ich zu vor bereits auf 2 Festivals (mit Unterbrechungen wegen Unwetters) erlebt hatte, desto stärker wurde der Wunsch „endlich“ mal auf ein richtiges Konzert der Stuttgarter Band zu gehen.

Ursprünglich hatte ich DIE NERVEN durch eine Punkrock-Playlist auf Spotify kennengelernt und sie dann sowohl auf dem Kosmonaut Festival, als auch bei Angst macht keinen Lärm in diesem Jahr auf der Bühne erlebt. Mittlerweile habe ich alle 3 Alben in meinem Plattenschrank und die Band in meinem Herzen.

So entschied ich mich allen Ernstes, und ich kann das im Rückblick selbst immer noch nicht ganz fassen, allein nach Oldenburg auf das Konzert zu fahren. WOW.
Doch es dauerte nicht lange, bis sich mein Angstmonster zu Wort meldete.

ICH? GANZ ALLEIN? AUF EINEM KONZERT IN EINER STADT, DIE ICH NICHT KENNE??

Ich muss verrückt geworden sein. Doch die Stimme meines Herzens wurde nicht leiser, sondern beharrlicher. Und so entschied ich mich, so schnell wie möglich ein Ticket zu besorgen, um eine Art Versicherung zu haben, den Plan letztendlich nicht aus Angst wieder über Bord zu werfen.
Denn ehrlich gesagt, bin ich es leid, mir von meinen Dämonen sagen zu lassen, was ich kann und was ich nicht kann. Wenn ich etwas will, dann kämpfe ich dafür.

Nun, das Ticket war gekauft und damit auch der Projekttitel „Jetzt bloß nicht DIE NERVEN verlieren“. Im nächsten Monat kaufte ich, nachdem ich zwischenzeitlich wieder kurz davor war, einen Rückzieher zu machen, endlich die Fahrkarten, nachdem ich mich bei der Band nach dem ungefähren Ende des Konzertes erkundigt hatte. Ich würde also nicht in Oldenburg übernachten, sondern nach dem Konzert den Heimweg antreten. Somit habe ich Geld für ein Hotel und zusätzliches Gepäck gespart.

Je näher das Wochenende rückte, desto nervöser wurde ich. Das schwankte zwischen „OMG, was hab ich mir nur dabei gedacht, das pack ich doch nie“ und „Hoffentlich krieg ich all meine Anschlüsse“. Doch egal wie oft ich daran dachte, aufzugeben, ich konnte und WOLLTE nicht. Die Stimme meines Herzens und meine Freunde sorgten immer wieder dafür, dass ich die Sache einfach durchziehen wollte.

Das Wochenende kam und somit auch der innere Widerstand und der Wunsch, den einfacheren Weg zu wählen, nämlich den zurück ins Bett.

Doch ich setzte mich erst in die S-Bahn und dann am Hauptbahnof in den ersten Zug. Es fiel mir schwer stillzusitzen und bis ich in Bremen war, ging es mir, den Umständen entsprechend, gut. Als ich dann jedoch kurz vor Oldenburg war, spürte ich wie die Angst in mir aufstieg.

Angst, die ich nicht so recht lokalisieren konnte.

Angst davor, dass irgendetwas schiefgehen würde, also Angst vor einem Worst-Case-Szenario das ich nicht einmal vor Augen hatte. Ich kenne dieses Gefühl schon so lange und egal wie viele logische Argumente ich habe, das Gefühl bleibt und es wird auch nicht schwächer. Es bleibt einfach da, ungeachtet dessen, wie oft ich es schon ignoriert, oder überwunden habe. Egal, wie oft sich die Angst als unnötig herausgestellt hat. Das Muffensausen ist immer an Bord, es sei denn, ich habe jemanden an meiner Seite, dem ich vertraue, dann hab ich keine Angst, oder sie ist so schwach, dass ich sie kaum wahrnehme.

Als ich nun in Oldenburg aus dem Zug stieg, hatte ich noch fast 4 Stunden bis zum Einlass totzuschlagen. Es war unglaublich kalt, aber ich war vorbereitet. So lief ich also eingemummelt durch die Innenstadt und machte zunächst Halt um mich mit einer Heißen Schokolade aufzuwärmen, die ich in einem Café trank.

Ich zog zu Fuß meine Kreise durch die Fußgängerzone, in der recht viel los war. Viele Menschen bummelten mit Tüten bepackt von Geschäft zu Geschäft, während ich mich ein wenig fremd fühlte, denn kaum jemand war allein unterwegs.
Auf meinem Weg entdeckte ich hier und da Streetart und stellte fest, dass Oldenburg eine sehr fahrradfreundliche Stadt ist.

Je näher das Konzert rückte, desto ängstlicher wurde ich. Ich sang leise vor mich hin, um mich zu beruhigen. „I can do it, ‚’cause I’m not scared“ wiederholte ich wie ein Mantra zu einer Melodie, die mir grade in den Sinn kam.
Ich kehrte für eine 2. Heiße Schokolade in dem Café ein. Eigentlich mag ich weder Schokolade, noch Milch, aber Kaffe geht einfach gar nicht.
Während ich mich also in dem Café aufwärmte, spürte ich eine Welle der Panik über mich hereinbrechen. Die Zweifel an dem Abenteuer wurden wieder lauter.
Glücklicher Weise hatte eine liebe Freundin mir für diesen Fall eine Sprachnachricht geschickt. So saß ich also aufmerksam lauschend in Oldenburg und konnte die Panikattacke überwinden, noch bevor sie mich überrennen konnte. Ich hoffte, dass die restliche Zeit schnell vergehen würde, denn ich wurde einfach immer nervöser und wollte es, so doof es vielleicht klingt, einfach hinter mich bringen.

Kurz vor 8 war es dann ENDLICH so weit und ich konnte die Location betreten. Sie war kleiner, als erwartet und nicht ausverkauft.
Während ich da so wartete, kam ich mit einem Mädchen ins Gespräch, das ebenfalls allein dort war. Wir stellten schnell fest, dass wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben und plötzlich waren wir beide nicht mehr allein auf dem Konzert.

Mittlerweile freute ich mich wahnsinnig auf das Konzert, da ich das „Bühnenbild“ nun vor Augen hatte, mich gut unterhielt und froh war, bis zu diesem Punkt durchgehalten zu haben.
Als die Nerven dann auf die Bühne kamen, hielt das Publikum noch etwas Abstand, wurde aber sofort von Max (Gitarre & Gesang) näher ans Geschehen gewunken. Dann ging es endlich los.

Ich hatte einen unglaublich tollen Abend, die Band hatte Spaß, das Publikum ebenso. Ich war erstaunt über die Höhe des Altersdurchschnitts, hatte ich doch überwiegend junge Zuschauer erwartet. Die Band spielte einen Querschnitt duch ihre bisherigen Veröffentlichungen und präsentierte sogar 2 neue Songs, die mir beide unheimlich gut gefielen. Kevin (Schlagzeug), Julian (Bass & Gesang) und Max lieferten eine gute Show ab. Der Funke sprang in dieser kleinen Location viel schneller auf das Publikum über, als bei den wesentlich größeren Festivalauftritten.

Es wurde getanzt und gesungen.

Ich werde definitiv nicht das letzte Mal bei den Nerven im Publikum gestanden haben.

Auf dem Rückweg im Zug begriff ich erst wirklich, dass ich dieses Abenteuer ganz allein durchgezogen hatte und dass es trotz all der schwierigen Umstände eines der besten Konzerte des Jahres war.
Ich hatte es geschafft. Ich hatte meine Angst wieder einmal überwunden und besiegt, egal wie stark sie noch vor dem Konzert war, egal wie viel Kraft es mich gekostet hat, meinen Plan durchzuführen.

Ich war glücklich, ich war stolz und ich war verdammt nochmal dankbar. Dankbar dafür, auf mein Herz gehört zu haben, dankbar dafür, es mir nicht wieder ausgeredet zu haben, sondern dabei zu bleiben.
Es lässt sich nur schwer in Worte fassen, wie viel Kraft und Mut mich das alles gekostet hat, doch es war den Kampf, den Angstschweiß und den finanziellen Aufwand so wert.
Heute morgen kurz vor 7 Uhr war ich dann endlich wieder in der Heimat und field geradewegs ins Bett.
Mit glühendem Herzen und einem stolzen Lächeln, sowie der Gewissheit, alles erreichen zu können, was ich will, schlief ich schließlich ein.

Mein Dank gilt der Band und all den Menschen da draußen, die an mich geglaubt haben.

Die nächsten Abenteuer warten schon, manche für mich allein und viele in Begleitung der Menschen, die ich liebe!

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